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| Archiveintrag: Auf der Spur der leisen Töne |
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| 27.10.2003 |
Düsseldorf / Potsdam - Als eine Gruppe von Filmproduzenten beschloss, in Potsdam unter einem Dach und Wand an Wand Filmstudios, Vorführräume und modernste Animationstechnik zu platzieren, ahnte kaum jemand, welche Herausforderungen dieses Konzept für den Akustiker mit sich bringt. Nach den Entwürfen des Architekturbüros Takamatsu-Lahyani entstand die moderne Hülle dieser innovativen Medienwerkstatt, die im Jahr 2000 ihre Arbeit aufnahm.
Ohne Funktionsverluste sollten im „FX Center Babelsberg“ Kinoräume, in denen die neuesten Action Streifen zu sehen sind, und daneben Film- und Tonstudios untergebracht werden, in denen im Sinne des Wortes die fallende Stecknadel zu hören und sauber auszusteuern sein muss. Die Jury der Rigips Trophy 2000/2001 zeigte sich beeindruckt von der Findigkeit, mit der Akustikplanung und Trockenbau hierbei zu Werke gingen.
Haustechnik im Schlafrock
Im Zentrum des fensterlosen Produktionskomplexes platzierten die Fachplaner eine dreistöckige Klimazentrale, in der auf einem Stahlgerüst die gesamte Technik für die aufwendige Belüftung aller Studios und Kinos untergebracht und elastisch gelagert wurde.
Dieses Herz der Haustechnik galt es, gegen alle angrenzenden Funktionsräume perfekt Schall zu dämmen. Alle Räume des FX Centers sind sowohl durch das Klimasystem miteinander verbunden als auch von einer zentralen Entrauchungsanlage durchzogen. Schallbrücken in Hülle und Fülle mussten also beim Ausbau der einzelnen Räume ausgeschaltet werden.
Maximale Hohlraumdämmung
Gemeinsam lösten Klima- und Trockenbau diese Aufgabe durch den Einsatz von Kulissenschalldämpfern vor allen Wanddurchbrüchen und eine Verkleidung aller Rohrleitungen mit Rigips Bauplatten zwischen Vorsatzschale und Mauerwerk. Die hierdurch hinter den Vorsatzschalen geschaffenen Hohlräume wurden auf Empfehlung der ACM Akustik- und Studioplanung zu mindestens 50 % mit verschiedenen Mineralwollen ausgefüllt, um ein Aufschwingen dieser angekoppelten Räume zu vermeiden.
In den Hohlraumböden der Lindner AG, die in den Kinoräumen zum Einsatz kamen wurden aus dem gleichen Grund alle Skelettbauteile und Verstrebungen einzeln mit Mineralwolle umwickelt und gedämmt, um Vibrationen und Geräuschentwicklungen zu vermeiden.
Schallentkopplung zum Rohboden
Schallschutzwerte deutlich über 80 dB wurden durch den Einsatz dreifach beplankter und federnd gelagerter Rigips Vorsatzschalen bzw. dreifach beplankte 80 mm Doppelständerwände erreicht, die mit Mineralwolle gedämmt wurden.
Ein schwimmender Estrich von 10 cm Stärke wurde jeweils erst nach Montage der Vorsatzschale ausgebracht, die wiederum mit Hilfe einer Sylomermatte und eines mit dem U-Profil vernieteten Bleches zur besseren Lastverteilung vom Rohboden schallentkoppelt wurde.
Zweifach abgehängte GK-Decken
Neben diesen Maßnahmen des Schallschutzes von Raum zu Raum musste auch beim Einbringen der Gipskartondecken in Kinos und Studios mit sehr individuellen Konzepten der notwendige Schallschutz von Geschoss zu Geschoss erreicht werden. In zahlreichen Räumen wurde mit zwei jeweils dreifach beplankten Decken gearbeitet, die beide mit Federabhängern montiert wurden. So wurde im großen Studio 1 die vollflächige Klimadecke aus statischen Gründen an der Rohdecke montiert, wobei die federnd abgehängte Gipskartondecke mit Gewindestangen durchstoßen wurde. Eine zentimetergenaue Auszeichnung der GK-Decke ermöglichte es dem Klimabauer, die Gewindestangen nachträglich in die Töpfe an der Rohdecke zu schrauben und an dieser Konstruktion seine Klimadecke ohne Anbindung an die GK-Decke zu montieren.
Hängende Wände
Zu einem besonderen Kunstgriff sahen sich Akustiker und Trockenbauer genötigt, als nach Fertigstellung des Rohbaus die Entscheidung fiel, eine zusätzliche Wand zwischen dem „Interactive Cinema“ und einem dahinter liegenden Studio rein als Leichtbauwand zu errichten. Während die eine Seite der dreifach beplankten Doppelständerwand auf dem Rohboden über einem Unterzug zu stehen kommen konnte, musste die andere aus statischen Gründen von der Decke abgehängt werden. Die Dämmung erfolgte mit 80 mm Mineralwolle. So konnte auch hier trotz Türsystem und aller haustechnischer Durchdringungen eine erstklassige Schalldämmung realisiert werden.
Raum in Raum
Höchste Anforderungen an den Schallschutz stellte die Tonregie in der 3. Etage des Komplexes, in der Nebengeräusche von 15 GK (nach DIN 15996) sicher zu hören und abzumischen sein müssen, während womöglich zeitgleich im Nebenraum hohe Lautstärken verursacht werden. Diesen Anforderungen wurde durch die Kombination eines KSV-Mauerwerks mit einer doppelten, jeweils dreifach beplankten Rigips Vorsatzschale entsprochen. Selbst in niedrigen Frequenzbereichen unter 100 Hz wurde mit diesem Konzept eine perfekte Schalldämmung erreicht.
Der große Kinosaal im FX Center Babelsberg präsentiert die neuesten „Streifen“ in bester Tonqualität in Anlehnung an die THX-Standards – unhörbar für alle, die in den angrenzenden Film- und Tonstudios ihrer Arbeit nachgehen.
Die zentrale Tonregie in der dritten Etage entstand wie die meisten Funktionsräume des Medienzentrums in Raum-in-Raum-Bauweise. Die 24er KSV-Wand wurde beidseitig jeweils mit einer herkömmlich montierten, dreifach beplankten Rigips Vorsatzschale sowie zusätzlich einer dreifach beplankten, federnd gelagerten Vorsatzschale versehen.
Quelle: Rigips
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Suchworte für diese Mitteilung:
Rigips, Babelsberg, Schallschutz, Mineralwolle, Doppelständerwand, Schalldämmung
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| Eintrag verfasst von: Uwe Dallmann (eingetragen am: 27.10.2003; zuletzt geändert am: 05.05.2005 00:00) |
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